Rheinische Post vom 21. März 2017

Improvisation erweckt "Galiläer"-Stummfilm

VON CHRISTOPH KELLERBACH

STRAELEN Der deutsche Passionsfilm wurde in St. Peter und Paul vorgeführt. Die Musikuntermalung wurde vor Ort improvisiert und sorgte für ein faszinierendes Erlebnis, das es in dieser Art nur sehr selten gibt.  

Leider hatten sich nur wenige Neugierige am Samstagabend in Straelens Pfarrkirche versammelt. Denn ab 21 Uhr lief etwas ganz Besonderes, das ein viel größeres Publikum verdient hätte. Die "Night Passion", eine Veranstaltung der "Fördergesellschaft St. Peter und Paul", zeigte den Stummfilm "Der Galiläer". Der deutsche Klassiker wurde auf eine extra aufgestellte Leinwand projiziert. Und das gut 45-minütige Werk von Dimitri Buchowetzki wäre selbst schon ein Erlebnis gewesen, doch für den Essener Domorganisten Sebastian Küchler-Blessing und Kantor Otto Maria Krämer war der Stummfilm nur der Ausgangspunkt.

Mit einem Kawai-Flügel sowie einem mobilen Orgeltisch improvisierten die beiden nämlich die gesamte Filmmusik. Buchowetzkis Arbeit, die mit viel Liebe zum Detail kreiert wurde und die letzte Woche im Leben Jesu zeigt, enthält viele wunderbare Bilder und ist natürlich als Stummfilm besonders expressiv. Was aber die zwei Klangkünstler da zauberten und die 30 Besucher an diesem Abend erleben ließen, das war pure Film- und Ton-Magie.

"Wir haben nur kurz zuvor ganz grob über ein mögliches Leitmotiv gesprochen, aber mehr hatten wir vorab auch nicht geplant", verriet Kantor Otto Maria Krämer. "Unser Ansatz war ganz bewusst der, dass wir selber schauen wollten, wohin uns das gemeinsame Erlebnis führte. Eben wie man sich da auf einander einspielt."

Das eigentliche Ergebnis schließlich war umwerfend. Die epische Musikuntermalung wirkte forschend und neugierig. Aber mit kürzeren Sequenzen sowie einzelnen Tönen bei besonderen Stellen schwenkte das Ganze auch immer wieder um und ging mehr in die Richtung eines klassischen Soundtracks. Innerhalb von wenigen Minuten - wenn es überhaupt so lange dauerte - waren die beiden Klangkünstler bestens auf einander eingespielt.

Hochinteressant war, dass sich auch immer mehr düstere Elemente in ihre Töne mischten. Teilweise wirkte die Vertonung wie die eines klassischen Horrorfilms, was aber angesichts von Jesu Qualen durchaus angemessen war. Extrem atmosphärisch, extrem beeindruckend und vor allem extrem sehenswert war die gesamte Vorstellung, die durch das Ambiente der - leider - fast leeren Kirche noch eine zusätzliche Dimension bekam. Denn wenn die Musik anschwoll, sich zerdehnte und ebenso, wie das Schicksal des Gottessohns kaum mehr fassbar war, dann prasselte eine Fülle von Emotionen auf die wenigen Zuhörer in dem großen dunklen Gebäude nieder und lud zum Nachdenken ein. All dies sorgte am Ende der Aufführung für viel Applaus und für die einhellige Meinung, dass dieses Erlebnis "absolut faszinierend" war.

Auch der Essener Domorganist Sebastian Küchler-Blessing selbst war begeistert: "Das Zusammenspiel mit einem kongenialen Improvisator wie Otto Maria Krämer ist immer faszinierend. Was aber beim Begleiten des 'Galiläers' passiert ist, welch überraschenden Impulse und welch identische Ideen es zur gleichen Zeit gab: So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Quelle: RP online

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NIGHT-PASSION

STUMMFILM & ORGEL & FLÜGEL
„Der Galiläer“

Samstag, 18.03.2017, 21.00 Uhr
Domorganist Sebastian Küchler-Blessing (Essen) und
Otto Maria Krämer (Straelen)
an Flügel und Orgel

In der Reihe "Geistliche Musik an St. Peter und Paul Straelen" findet am Samstag, dem 18. März 2017 um 21.00 Uhr ein besonderes Konzert statt. Der monumentale Stummfilm „Der Galiläer“ (1921) wird auf Großleinwand (3x4 m) live begleitet mit wirklich spontanen Improvisationen von Domorganist Sebastian Küchler-Blessing (Essen) und Kantor Otto Maria Krämer sowohl am Kawai-Flügel als auch simultan am mobilen Orgel-Spieltisch, der das Orgelspiel für die Zuhörer unvergleichlich werden lässt. Der Klangraum St. Peter und Paul wird so völlig neu auch visuell erlebbar, vor allem für Jugendliche ein besonderes, neues Erlebnis von „Kirche“!

"DER GALILÄER": Ein früher deutscher Passionsfilm, der in vier Hauptteilen (DER EINZUG IN JERUSALEM, DAS ABENDMAHL, DIE GEFANGENNAHME und DIE KREUZIGUNG) die Leidensgeschichte Jesu Christi erzählt. Obwohl mit unbekannten Darstellern besetzt, vermag der Film aufgrund einer gelungenen Ausstattung und dank großangelegter Bilder zu fesseln. Nicht zuletzt der zurückhaltend und mit großer Würde agierende Jesus-Darsteller Adolf Faßnacht fasziniert durch sein präzises und überzeugendes Spiel und steht damit selbst namhaften Schauspielern, die Jesus Christus im Laufe der Jahrzehnte ihr Gesicht geliehen haben, in nichts nach. "DER GALILÄER", ein Geheimtipp in Sachen biblische Verfilmungen! 

"DER GALILÄER" galt über 70 Jahre als verschollen und wurde nach seiner Wiederentdeckung im Bundesarchiv aufwändig rekonstruiert. Der Film wird in der im Jahr 1995 restaurierten, viragierten Fassung und mit den originalen deutschen Zwischentiteln präsentiert. Die entsprechenden Klangassoziationen liefert die dazu live improvisierte Musik von Sebastian Küchler-Blessing und Otto Maria Krämer - Musik, die die historische Kulisse erst richtig aufleben lässt.

Sebastian Küchler-Blessing
Sebastian Küchler-Blessing

Sebastian Küchler-Blessing (*1987 in Fribourg/Schweiz) wurde 2014 im Alter von 26 Jahren, als derzeit jüngster Domorganist Deutschlands an den Hohen Dom zu Essen berufen. Hier zeichnet er verantwortlich für die liturgische und außerliturgische Orgelmusik und ist künstlerischer Leiter des Internationalen Orgelzyklus’ am Essener Dom, der Orgelmeditationen sowie der Konzertreihe „Dimension Domorgel“, die er 2014 ins Leben rief und zu der er bereits mehrfach auch Stipendiaten der Stiftung einlud. Seine musikalische Ausbildung erhielt er in Karlsruhe, Trossingen und Freiburg bei Sontraud Speidel (Klavier), Christoph Bossert, Martin Schmeding, Szigmond Szathmáry (Orgel), Otfried Büsing (Musiktheorie) und Karl Ludwig Kreutz (Improvisation). Weitere prägende Lehrer waren Hans Michael Beuerle und Manfred Schreier (Dirigieren). Im April 2014 legte er das Solistendiplom bei Martin Schmeding an der Hochschule für Musik Freiburg mit Auszeichnung ab. Seit dem Wintersemester 2014/15 hat er einen Lehrauftrag für Orgel und liturgisches Orgelspiel/Improvisation an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf inne. Im Wintersemester 2015/16 übernahm er zudem einen Vertretungslehrauftrag in der Klasse von Prof. Martin Schmeding an der Hochschule für Musik Freiburg und hielt 2014/15 eine Masterclass an der Bischöflichen Kirchenmusikschule des Bistums Essen. 

Nach 1. Bundespreisen mit Höchstpunktzahl und Sonderpreisen der Deutschen Stiftung Musikleben bei „Jugend musiziert“ gewann Sebastian Küchler-Blessing mit dem Leipziger Bachpreis, dem Mendelssohn-Preis und dem 1. Preis der Internationalen Orgelwoche Nürnberg einige der bedeutendsten Auszeichnungen der Musikszene. Darüber hinaus erhielt er als bislang einziger Organist den Publikumspreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und den erstmals vergebenen Arthur-Waser-Preis des Luzerner Sinfonieorchesters, die höchstdotierte Auszeichnung des Schweizer Musiklebens. Von Publikum und Fachwelt hochgeschätzt als Improvisator und Kammermusiker, führt ihn seine Arbeit mit Musikern wie Claudio Abbado, Gustavo Dudamel, Hartmut Haenchen, Reinhold Friedrich und Wolfram Christ und Ensembles wie dem Windsbacher Knabenchor oder dem Luzerner Sinfonieorchester zusammen. Dabei ist er zu Gast bei Festivals wie der Bachwoche Ansbach, dem Rheingau Musik Festival, dem Bachfest Leipzig, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Zudem konzertiert er regelmäßig in den großen europäischen Kathedralen wie dem Kölner Dom, dem Aachener Dom oder der Kathedrale von Barcelona. Er war Stipendiat der Jürgen Ponto-Stiftung und der Mozart-Gesellschaft Dortmund und wurde bereits als Schüler in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. Dank einer Patenschaft der Hans und Stefan Bernbeck-Stiftung erhielt Sebastian Küchler-Blessing ein monatliches Stipendium der Deutschen Stiftung Musikleben. 

Otto Maria Krämer
Otto Maria Krämer

Otto M. Krämer ist seit 1993 Kantor in Straelen und leitet seit 2013 als Lehrbeauftragter für Orgelimprovisation und Liturgisches Orgelspiel eine Klasse an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Er gilt als einer der führenden Spezialisten weltweit für alle Bereiche der Orgelimprovisation, spielt daher auch Filmmusiken zu Stummfilmen auf Festivals in ganz Europa. Krämer ist einer der ständigen Organisten im Filmmuseum „Blackbox“ in Düsseldorf und bespielt dort eine der wenigen originalen Kino-Orgeln der Firma Welte von 1929.

Die gesamte Konzertreihe wird freundlich unterstützt von der Firma bofrost* in Straelen.

Abendkasse: 12 Euro, Fördergesellschaftsmitglieder 8 Euro
Kinder und Jugendliche bis 21 frei! 

Herzliche Einladung an alle!

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Stummfilm am 18.03.2017

NIGHT-PASSION:
Improvisationen an Flügel und Orgel

Stummfilm 'Der Galiläer'

Samstag, 18.03.2017, 21.00 Uhr
Domorganist Sebastian
Küchler-Blessing (Essen)
und
Otto Maria Krämer (Straelen)

Die Konzertreihe wird freundlich unterstützt von der Firma bofrost* in Straelen.

Eintritt an der Abendkasse 12 Euro, Fördergesellschaftsmitglieder 8 Euro.

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Rheinische Post vom 10.01.2017

Barocke Pracht in der Straelener Pfarrkirche

VON UDO SPELLEKEN

ChorProjekt 2016/2017; FOTO: Gerhard Seybert
Das ChorProjekt 2016/2017 an St. Peter und Paul Straelen
RP-Foto: Gerhard Seybert

STRAELEN Im Dreikönigskonzert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul erklangen das "Dettinger Te Deum" von Georg Friedrich Händel und das "Magnificat" von Johann Sebastian Bach unter der musikalischen Leitung von Kantor Otto M. Krämer. Zum Ausklang des 25. Geburtstags der großen Orgel in Straelen stand das "Magnificat" von Bach im Fokus der Veranstaltung. Bach hat bei aller Kürze der Form den Text mustergültig, mit aller Pracht und Inhaltsschwere des Spätbarocks, zu einem einzigartig geschlossenen und zugkräftigen Werk gebunden. Anfangs- und Schlusschor bilden durch die Verwendung der gleichen Motivik eine Klammer, ein wohl im 18. Jahrhundert gebräuchliches Mittel, für Bach jedoch eher untypisch. Sie rahmten in kunstvoll gearbeiteten Chorsätzen klangprächtig und "goldglänzend" (Trompeten) die vielfach gegliederte zwölfsätzige Magnificat-Musik ein.  

Brillant musizierten neben dem großen Konzertchor des Chorprojektes Straelen die Sopranistinnen Stefanie Wüst und Ursula Göller, Altistin Natalie Hüskens, Tenor Robert Reichinek und Bass-Bariton Johannes Leuschner und im festlich besetzten Orchester die Mitglieder der Duisburger Philharmoniker. Die anfänglich äußerlich festliche Repräsentationsmusik wandelte sich im zweiten Satz ins Gegenteil. Ganz nach innen gekehrt, aber beschwingt sang "Maria" (Ursula Göller) die Worte ""Et exsultavit spiritus meus" (Und mein Geist jubelt), von Bach tonsymbolisch in eine sprunghaft aufsteigende Motivik gegossen. Die Sopranarie "Quia respexit" und die konzertierende Oboenstimme leiteten über in den dramatisch oratorisch gestalteten Chorsatz "Omnes generationes". Die Festlichkeit spiegelte sich in der Prachtentfaltung des "Fecit potentiam" wider, während die schmetternde Tenor-Koloraturarie "Deposit potentes" tonmalerische Aspekte aufwies. Chor und Orchester bestachen durch zarte pastorale Stimmung. Die Chorfuge "Sicut locutus est" führte zu einem kraftvollen Abschluss, bevor das dreimalige "Gloria patri" in seiner eigentümlichen Pracht seinen besonderen Zauber musikalisch offenbarte.

Vollendet wurde der Weihnachtsfestkreis mit dem festlichen "Dettinger Te Deum" von Georg Friedrich Händel als ein glanzvolles Beispiel dafür, wie Dirigent Krämer den Ton für festliche Anlässe auf beispiellose Weise treffen konnte. Dem erhabenen Charakter wurde mit einem ausführlichen Gebrauch von Pauken und Trompeten Ausdruck verliehen. Sanftere und ernstere Sätze ergänzten das Werk wirkungsvoll. Mit viel Sinn für Linie, harmonische Entwicklung und musikalische Höhepunkte vorgetragen, wirkte das Werk in seinen schwungvoll gewählten Tempi prachtvoll und zugleich durch seine barocke Leichtigkeit. Das brillante Zusammenspiel zwischen Chor und Instrumentalisten war klanglich-dynamisch ausgeglichen. An den entscheidenden Stellen demonstrierte der Chor seine souveräne Klangkraft und Eleganz in der Stimmführung.

Quelle: RP online

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